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Sportsucht erkennen: Meine Geschichte zwischen Fitnesswahn und Kontrollverlust

Wann wird Sport ungesund?
Was zunächst nach Disziplin, Ehrgeiz und einem gesunden Lebensstil aussieht, kann schnell in eine gefährliche Abhängigkeit kippen: die Sportsucht.

Ich weiß das, weil ich selbst betroffen war.

Der Anfang: Das Gefühl, nie richtig zu sein

Als Jugendliche hatte ich oft das Gefühl, nicht richtig zu sein.
Ich war zeitweise kräftiger und begann irgendwann mit einer Diät – einer klassischen „Punkte-Diät“. Ich nahm ab und bekam zum ersten Mal das Gefühl von Kontrolle.

Also meldete ich mich in einem Fitnessstudio an.

Was als „gesund anfangen“ gedacht war, wurde schnell mehr.

Wenn Training zur Besessenheit wird

Am Anfang dachte ich: Ein bisschen Sport wird mir helfen.
Doch ich merkte schnell – zumindest glaubte ich das –, dass ein Training nicht ausreicht, um meine Ziele zu erreichen.

Ich lernte einen Bodybuilder kennen und orientierte mich an seinem Trainingsstil.
Plötzlich ging es nicht mehr um Bewegung, sondern um Optimierung:

  • mehr Training
  • mehr Disziplin
  • weniger Körperfett

Ich war regelmäßig bei Körperfettmessungen – doch mir ging es nie schnell genug.

Also trainierte ich immer häufiger:

  • stundenlang auf dem Laufband
  • zusätzlich intensives Krafttraining

Mein Ziel: definierter, dünner, perfekter werden.

Der gefährliche Wendepunkt

Irgendwann reichte selbst das nicht mehr.

Ich begann, meine Ernährung immer weiter einzuschränken.
Am Ende bestand mein Alltag aus:

  • Eiweißshakes
  • trockenen Salat

Und trotzdem hielt ich am Training fest.

Mein Körper wurde schwächer – aber ich ignorierte die Signale.
Bis er mich stoppte.

Ich brach zusammen.

Der Tiefpunkt: 39 kg und 11 % Körperfett

Mit nur noch 39 kg Körpergewicht und etwa 11 % Körperfett entschied ich mich schließlich selbst für einen Schritt, der mein Leben verändert hat:

Ich ging freiwillig in eine stationäre Therapie in einer Spezialklinik für Essstörungen.

Dort blieb ich zwei Monate.

Der Weg zurück: Heilung ist möglich

In der Klinik begann ich zu verstehen:

  • warum ich mich nie „richtig“ gefühlt habe
  • warum ich Kontrolle über meinen Körper gesucht habe
  • warum Sport für mich zur Sucht geworden ist

Ich lernte Schritt für Schritt:

  • wieder zu essen
  • meinem Körper zuzuhören
  • Sport nicht mehr als Zwang zu erleben

Heute bin ich gesund.

Ich habe nicht nur die Sportsucht überwunden, sondern auch die Magersucht und Bulimie hinter mir gelassen.

Woran du Sportsucht erkennen kannst

Sportsucht wird oft nicht ernst genommen – dabei kann sie genauso gefährlich sein wie andere Essstörungen.

Typische Warnsignale sind:

  • Zwanghaftes Training, auch bei Krankheit oder Erschöpfung
  • Schuldgefühle bei Trainingspausen
  • Sport als „Strafe“ für Essen
  • Immer höhere Trainingsumfänge
  • Starke Fixierung auf Körperfett, Gewicht oder Aussehen
  • Vernachlässigung von sozialen Kontakten

Mein Fazit: Es geht nicht um Disziplin – sondern um Freiheit

Was von außen wie Disziplin aussah, war in Wahrheit ein innerer Kampf.
Ein Kampf gegen mich selbst.

Sportsucht hat nichts mit Stärke zu tun.
Sondern mit einem tiefen Gefühl von Nicht-genug-sein.

Die gute Nachricht ist:
Du kannst da raus.

Du musst da nicht alleine durch

Wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst oder jemanden kennst, der betroffen ist:

Es gibt einen Weg zurück.

Heute begleite ich mit EssBalance Menschen auf genau diesem Weg.
Weil ich weiß, wie es sich anfühlt – und weil ich weiß, dass Heilung möglich ist.

👉 Du darfst dir Hilfe holen. Und du darfst gesund werden.

Kathrin Gehlert

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