Ich wollte immer anders sein – so wie ich bin, bin ich nicht richtig!
„Hast du wieder abgenommen? Sieht gut aus!“ „Wow! Hast du ihr neues Outfit gesehen?“ „Du musst einfach anders essen!“, „Mach doch mehr Sport! Dann wird das schon…“ „Wieso kann ich nicht auch so aussehen wie die!?“ – Ihr kennt das? Ich auch!

Du bist mehr als die Zahl auf der Waage
Gut genug für die Freundschaft – gut genug für mich?
Vor über 20 Jahren beschloss ich, weniger zu essen und Sport zu treiben. Ich wollte abnehmen, obwohl ich nach einer „Punktediät“ mit 55Kg Körpergewicht eigentlich bereits eine „Idealfigur“ hatte. Aber ich fühlte mich dazu angetrieben. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich so, wie ich bin, nicht richtig bin. Schaute ich mich als junge Frau in meiner Klasse um, waren die dünnen Mädchen sehr beliebt und anerkannt. Ich hatte auch meine festen Freundinnen, aber immer das Gefühl, dass diejenigen, mit denen ich darüber hinaus befreundet sein wollte, mich belächeln und ich für sie nicht wichtig bin. Und auch unabhängig davon fühlte ich mich unwohl in meinem Körper – egal, wie viel Gewicht die Waage anzeigte.
Was harmlos begann, nahm rasant an Fahrt an
Auch nach der Schulzeit konnte ich meinen inneren Kampf nicht beenden. Immer wieder traten Selbstzweifel auf, ich wich Spiegeln aus und hasste mich. Der Gang ins Fitnessstudio war ein erster Schritt, ich lief regelmäßig auf dem Laufband und machte ab und an bei ein paar Kursen mit – alles im normalen Rahmen. Dann lernte ich einen Mann kennen, der sich in der Bodybuildingszene bewegte und für seinen 1. Wettkampf trainierte. Ich war ahnungslos, was dies bedeutete, und auch, welchen Einfluss es auf mich und mein Leben nehmen würde. Hautnah bekam ich als seine Partnerin alles mit: sein Kraft- und Ausdauertraining, seine Ernährung, sein Umfeld, seine Ziele. Völlig naiv nahm ich an, dass dies mich nicht beeinflussen würde. Ich hinterfragte vieles, doch gleichzeitig inspirierte es mich. Es fing mich ein.
Es gab kein Zurück mehr
Seine Disziplin und die scheinbare Leichtigkeit, mit denen mein Partner seinen Erfolg plante und umsetzte, erreichte mich tief in meiner Seele und erlangte einen Treffer. Von da an ging ich nahezu täglich ins Fitnessstudio und reduzierte dabei meine Kalorienzufuhr. Körperfett messen, mein Gewicht wiegen, Joggen, Kraftsport, Verzicht und Kontrolle wurden zum ständigen Begleiter und waren das Mittel zu meinem vermeintlichen Erfolg.
Ich fiel tief, und dann?
Erfolg? Damals dachte ich, dass 39Kilogramm Körpergewicht und 11%Körperfett ein Erfolg sind! Denn so sah es nach fast einem Jahr exzessivem Sport und Hungern aus bei mir. Das Training allein reichte nicht, um mein Ziel zu erreichen: Die Perfektion. Aber war ich denn jetzt perfekt? Würden mich nun die Menschen mehr sehen, erkennen und lieben? Liebte ich mich mehr? Hatte ich mich selbst gefunden durch meinen durchtrainierten, athletischen Körper und mein neues Antlitz? Half mir mein Untergewicht, mich anzunehmen?
Nein! Ich fand nicht, was ich suchte. Und ihr werdet es mit Magersucht auch nicht finden!
Du bist mehr als die Zahl auf der Waage – Ich zeige es dir! Denn ich habe mich gefunden.